Mehr als 600 Standorte und über 100 Shops: AVIA betreibt am meisten Tankstellen im Schweizer Markt und will ihre führende Position weiter ausbauen. Kunden sollen nicht nur mit hochwertigem Benzin und Diesel, sondern auch mit Qualitätsfood und motiviertem Personal angelockt werden.

 

Ein knuspriges Sandwich, dazu ein frischer Salat, gefolgt von einem aromatischen Cappuccino mit Muffin, der nach Backofen riecht. Alles serviert mit einem Lächeln, Zuvorkommenheit und Freundlichkeit. Ein zufriedener Kunde, der seinen köstlichen Imbiss im gemütlichen Ambiente so richtig geniesst. Solche Bilder hat Patrick Staubli im Kopf, wenn er sich das alltägliche Wunschszenario an einer Schweizer AVIA-Tankstelle ausmalt. Natürlich gehört dazu, dass sich der Kunde nach der Rast in sein voll betanktes Auto setzt und es im Idealfall noch durch die vor Ort vorhandene Waschstrasse navigiert.
 
«Wir wollen mehr sein als ein Treibstoffverkäufer, wir wollen den Kunden ein mehrwertiges Erlebnis auf verschiedenen Ebenen bieten», sagt der Geschäftsführer der AVIA Vereinigung Schweiz. Seine Motivation ist nachvollziehbar. Der Wettbewerb im Tankstellenmarkt ist hart. Für AVIA gilt es, die führende Position als grösstes Tankstellennetz zu verteidigen, sie nach Möglichkeit weiter auszubauen.
 
Sparsamer Wasserverbrauch und Freundlichkeitsschulungen für Mitarbeitende
 
Das ambitionierte Unterfangen lässt sich die Organisation, die aus elf unabhängigen Erdölimporteuren besteht, einiges kosten. Insgesamt gibt es zurzeit über 600 AVIA-Tankstellen im Land. «Unsere Mitgliedfirmen sind permanent auf der Suche nach strategisch idealen Standorten, um neue Tankstellenprojekte umzusetzen», sagt Patrick Staubli. Nach Möglichkeit sollen es Anlagen sein, die eine maximale Wertschöpfung erzielen. Neben dem Kerngeschäft Tanken wird deshalb auch die Umsetzbarkeit für Shop, Bistro und Waschanlage stets geprüft.
 
Anfang September dieses Jahres hat AVIA in Chur eine «Tankstelle der Superlative» eröffnet, wie es der Geschäftsführer ausdrückt. Neben diversen Zapfsäulen, einem grosszügigen Shop und Bistro können Autofahrer in der Bündner Hauptstadt die wohl modernste Waschstrasse der Schweiz benutzen. Sie kann auf einer Länge von 40 Metern fünf Autos gleichzeitig bedienen und erreicht eine Kapazität von rund 100 Fahrzeugen pro Stunde. Zusätzlich hat AVIA 16 überdachte Staubsaugerstationen für die Innenraumpflege installiert. Neue Massstäbe will AVIA in Chur auch in Sachen Umweltschutz setzen. So wird das verschmutzte Brauchwasser in einem sogenannten Retensionsbecken aufgefangen, auf biologischer Basis aufbereitet und danach wiederverwertet.
 
Investiert wird bei AVIA auch in Softfaktoren wie die Servicequalität. «Mitarbeitende unserer Shops werden permanent zum Thema Freundlichkeit weitergebildet und getestet», erklärt Staubli. Dass es ihm ernst ist, belegen die unangemeldeten Service-Checks an den AVIA-Tankstellen. «Vorhandene Mängel werden sofort korrigiert.» Die Mitarbeitenden sind für ihn die wichtigste Visitenkarte der Marke. «Wir wissen, dass Weiterempfehlung das wirkungsvollste Marketing ist. Aber nur begeisterte Kunden empfehlen einen Shop weiter.»
 
Überzeugen sollen sie nicht nur freundliche Mitarbeitende, sondern auch die Produktqualität. An den meisten der mittlerweile rund 100 AVIA-Standorte mit Tankstellenshop werden neu frisches Gemüse und Früchte sowie vor Ort zubereitete Sandwiches offeriert. Dazu eine breite Auswahl an Kaffeegetränken und frisches Kleingebäck.
 
Qualität wichtiger als Quantität
 
Trotz Wachstumsambitionen steht für AVIA Qualität vor Quantität. Die Mitgliedfirmen der Vereinigung ziehen auch in Erwägung, Tankstellen mit mangelhafter Nachfrage zu schliessen. So ist das Schweizer AVIA-Tankstellennetz in den letzten fünf Jahren um rund hundert Standorte reduziert worden. Dies entspricht dem generellen Trend im Markt, eher weniger, dafür grössere Tankstellen mit Shops zu betreiben. Für Patrick Staubli ist klar: «Die Zahl der Shops und Bistros an den AVIA-Standorten wird in den kommenden Jahren mit Sicherheit weiter zunehmen.»
 
Gleichwohl nicht vernachlässigt werden die über 500 Standorte mit AVIA-Selbstbedienungstankstellen, die sich wie ein engmaschiger Teppich über die ganze Schweiz verteilen. Sie werden laut Staubli vor allem von beruflichen Vielfahrern, die rasch und einfach tanken wollen, und allen, die auch in ländlichen Gegenden eine nahe gelegene Tankstelle suchen, geschätzt. Diesem Segment wurde auch die diesjährige AVIA-Plakatkampagne mit dem Slogan «Immer nah – immer da» gewidmet.

 

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Nachgefragt: PATRICK STAUBLI, GESCHÄFTSFÜHRER, AVIA VEREINIGUNG SCHWEIZ

«Marke durch innovative Angebote stärken»

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tW: Herr Staubli, welches waren die wichtigsten Meilensteine in Ihrer über achtjährigen Zeit als Geschäftsführer der AVIA Vereinigung?
Patrick Staubli: Für ganz zentral erachte ich die enge und kontinuierlich wachsende Zusammenarbeit mit und zwischen unseren Mitgliedfirmen in diversen wichtigen Projekten. Spontan denke ich an den Ausbau der AVIA Karte, die Planung und Umsetzung von Marketingkampagnen zur Stärkung der Marke AVIA, die Einführung neuer Tankstellentechnologien, die Begleitung zur Eröffnung von neuen Tankstellen, die neue und einheitliche Shop-Gestaltung, den Ausbau unseres Shop-Angebots sowie erfolgreiche Verhandlungen mit und die Betreuung von grossen Firmenkunden. Schliesslich möchte ich auch noch die Angebotsverbesserung für nationale Kunden im Bereich Heizöl erwähnen.
 
tW: Zu dieser Angebotsverbesserung hat mit Sicherheit auch der markant gesunkene Ölpreis seinen Teil beigetragen.
Patrick Staubli: Natürlich führen die geringeren Beschaffungspreise am Weltmarkt auch zu tieferen Verkaufspreisen. Doch der Effekt wird von den Konsumenten häufig überschätzt. Denn neben dem Beschaffungspreis bestimmen diverse andere Faktoren wie Dollarkurs, Raffineriekosten, Transport, hohe Steuerbelastungen sowie regionale Marktgegebenheiten den Endpreis. Das gilt für das Heizöl ebenso wie für den Benzin- und Dieselpreis an der Zapfsäule.
 
tW: Und dieser steht dann erst noch in Konkurrenz zur Konkurrenz. Zurzeit vor allem zu jener im grenznahen Ausland?
Patrick Staubli: Damit sprechen Sie eine unserer aktuell wichtigsten Herausforderungen an. Die Stärke des Schweizer Frankens bereitet uns vor allem an unseren Grenztankstellen zurzeit einige Sorgen. Dies in einer Zeit, in der die Kosten im Geschäft generell steigen.
 
tW: Warum?
Patrick Staubli: Das hat einerseits mit zunehmenden gesetzlichen Auflagen durch die öffentliche Hand zu tun, die zusätzliche Investitionen, Unterhaltskosten und damit höhere Betriebskosten generieren. Dazu kommt, dass die Treibstoffabsätze im Tankstellengeschäft aufgrund des zunehmend geringeren Verbrauchs der Fahrzeuge stagnieren.
 
tW: Wie kämpft AVIA gegen diese Widrigkeiten an?
Patrick Staubli: Indem wir uns alle mit voller Kraft dafür einsetzen, dass die Marktposition der AVIA Vereinigung und aller Mitgliedfirmen gestärkt sowie die Markenbekanntheit weiter erhöht wird. Dafür braucht es innovative und kundenorientierte Angebote. Eines davon ist zum Beispiel der Gratis-Pannendienst für ganz Europa, den alle Besitzer unserer AVIA-Karte für Private in Anspruch nehmen können.


Die AVIA Vereinigung Schweiz ist ein Zusammenschluss von elf unabhängigen schweizerischen Erdölimporteuren in Form einer Genossenschaft. AVIA betreibt heute mit mehr als 600 Tankstellen und über 100 Shops das dichteste Tankstellennetz in der Schweiz. 1927 wurde in der Schweiz der «Verband freier Benzin-Importeure» als Zusammenschluss von Firmen gegründet, die Kolonialwaren, Chemikalien und Petroleumprodukte importierten und verkauften. Da zu jener Zeit auch Flugzeuge qualitativ hochstehend Treibstoffe benötigten, war die Gedankenverbindung aus dem Aviatik zu AVIA nahe liegend. 1931 wurde AVIA als Marke in der Schweiz registriert. AVIA International ist heute in 14 europäischen Ländern mit über 80 Mitgliedern und über 3000 Tankstellen präsent.

Däumchen drehen war nie das Ding von Daniel Hofer. Seit Ende Juni dieses Jahres hat die Umtriebigkeit des 55-jährigen Juristen eine neue Stufe erklommen. Der langjährige Geschäftsführer der Migrol AG hat die Nachfolge von Rolf Hartl als Präsident der Erdöl-Vereinigung angetreten.

Woher nimmt der Chef von über 180 Mitarbeitenden und 312 Tankstellen die Energie, zusätzlich ein so wichtiges Amt zu besetzen? «In der Schweizer Politik pflegen wir ein Milizsystem, auch wenn es immer mehr Berufspolitiker gibt. Dieses System lebt davon, dass sich Bürger auf ihre Weise mit den vorhandenen Möglichkeiten und Ressourcen aktiv in den politischen Prozess einbringen und mehr dafür tun, als nur zu wählen und abzustimmen», holt Daniel Hofer aus. Die Vertretung einer ganzen Branche im politischen Meinungsbildungsprozess sei eine solche aktive, politische Arbeit. «Und genau dieser Herausforderung wollte ich mich im Dienst der Mineralölwirtschaft, aber auch im Dienst des Landes, stellen.»
 
Kleine durch grössere Standorte ersetzen
 
An vorderster Front benötigt werden sein Einsatz und strategisches Geschick natürlich nach wie vor bei der Migrol. Das Tochterunternehmen des Detailhandelsriesen Migros gehört zu den grössten Tankstellenbetreibern der Schweiz und bietet den Automobilisten ein überdurchschnittliches Zusatzangebot. Von den 312 Tankstellen verfügen 146 über einen eigenen Shop, dazu kommen 60 Car-Wash-Anlagen der Marke Migrol. Unter Hofers Ägide hat sich das Tankstellenportfolio in einem stagnierenden Markt in den letzten vier Jahren noch leicht vergrössert. Ganz wichtig ist ihm vor allem die konsequente Entwicklung und Modernisierung des Angebots. «Grundsätzlich lösen wir kleinere, in die Jahre gekommene Standorte mit neuen, grosszügigen Tankstellenanlagen ab. Bei grossen Anlagen bieten wir immer auch Zusatzleistungen wie Shop oder Car Wash an.»
 
Diese laufende Erneuerung ist zuletzt an den 46 grenznahen Migrol-Tankstellen etwas ins Stocken geraten. Nach der schlagartigen Wertsteigerung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro anfangs 2015 brachen die Umsätze etwa in Kreuzlingen (DE-Grenze), St. Margrethen (AT-Grenze) oder Serfontana (IT-Grenze) an den Zapfsäulen wie auch in den Shops teils massiv ein. Nach harten fast zwei Jahren sieht Daniel Hofer indes wieder etwas Morgenröte an den betroffenen Standorten. «In letzter Zeit hat sich der Negativtrend abgeflacht, wir können sogar von einer Stabilisierung sprechen», entnimmt er den kommerziellen Statistiken. Bei den früheren Verkaufsvolumen sei man indes noch nicht wieder angelangt.
 
Mehr Absatz mit Premium-Treibstoffen
 
Genau wie den Schweizer Franken hat Daniel Hofer natürlich auch die Entwicklung des Ölpreises stets im Blickfeld. Auf das Tankstellengeschäft der Migrol AG wirke sich dieser kaum aus. «Tiefere Ölpreise bedeuten tiefere Beschaffungspreise und damit auch tiefere Säulenpreise für die Konsumenten», so Hofer. Diese Wechselwirkung sei sehr direkt und spiele sich jeweils kurzfristig ab. Auf die verkauften Treibstoffmengen habe das Säulenpreisniveau ausser an der Grenze derweil keinen Einfluss. Einen zumindest kleinen positiven Einfluss auf die Margen bei Migrol habe die Ölpreis-Baisse aber trotzdem, hält Hofer fest. «Wir stellen schon fest, dass die teureren Premium-Treibstoffe vermehrt gekauft werden.» Auch als Neo-Präsident der Erdöl-Vereinigung kann ihm dieser Nebeneffekt nur Recht sein.

 

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Nachgefragt: Daniel Hofer, CEO der Migrol AG und Präsident der Erdöl-Vereinigung (EV)

«Öl bleibt einer der effizientesten Energieträger»

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Herr Hofer, welches sind für 2017 die vordergründigen Projekte und Ziele, die Sie als EV-Präsident umsetzen respektive erreichen möchten?
Das für die Mineralölbranche wichtigste politische Geschäft ist die Energiestrategie des Bundes und als deren Ausfluss die Neuauflage des CO2-Gesetzes. Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die berechtigten ökologischen Ziele mit dem besten Preis-/Leistungsverhältnis für die Konsumenten erreicht werden können. Auf keinen Fall dürfen durch teure Auflagen Arbeitsplätze und der soziale Frieden, den wir unserem Wohlstand verdanken, gefährdet werden.

Wie stehen Sie als EV-Präsident und als CEO der Migrol AG den neuen Antriebsformen wie Elektromobilität und Wasserstoff gegenüber?
Dazu habe ich eine ganz pragmatische und sportliche Einstellung. Die bessere und wirtschaftlichere Technologie soll das Rennen machen. Eine mit teuren Subventionen durchgesetzte Technologie wird auf Dauer keinen Bestand haben. Wir brauchen Rahmenbedingungen, die den Wettbewerb der Anbieter, aber auch der Technologien, fördern. Öl bleibt wegen der relativ geringen Produktionskosten, der weltweit abgestimmten Infrastruktur und den günstigen Lager- und Transportkosten einer der effizientesten und damit günstigsten Energieträger.

Wie sehr werden die neuen Antriebsformen das Geschäftsmodell von Tankstellenunternehmen beeinflussen?
Sobald andere Antriebsformen mit anderen Energieträgern wirtschaftlich interessant werden, wird dies das Geschäftsmodell der Tankstellen verändern. Ich nehme an, es wird weniger Tankstellenstandorte, dafür solche mit einem differenzierteren Angebot benötigen. Es ist also denkbar und zum Teil schon heute der Fall, dass eine Tankstelle neben traditionellen Zapfsäulen auch elektrische Ladestationen mit Aufenthaltsinfrastruktur, zum Beispiel Café-Bar mit WLAN, anbietet. Tankstellen sind dann nicht mehr reine Versorgungspunkte, sondern Kommunikations- und Begegnungsorte. Die richtigen, Ertrag bringenden Geschäftsmodelle dafür müssen aber noch gefunden werden.
 
Interview: Robert Wildi


Die Migrol AG betreibt schweizweit 312 Tankstellen, davon 46 im grenznahen Bereich. Die happigen Einbussen nach dem Währungsschock flachen dort langsam ab. Das schlimmste sei wohl überstanden, glaubt Unternehmensleiter Daniel Hofer, der seit kurzem auch Präsident der Erdöl-Vereinigung ist.

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